Unsere Pfarrgemeinde

Die kirchliche Betreuung Neersens geschah früher von Anrath aus. Bis zur Errichtung einer eigenen Kirche konnten die Bewohner des Ortes nur an den Gottesdiensten in der Schlosskapelle teilnehmen. Arian von Virmond stiftete die erste Neersener Kirche.

 

In der Stiftungsurkunde vom 25. März 1652 heißt es unter anderem: Der Freiherr verfügt, dass er „hieselbt zu Neersen in der Freyheit“ eine Kirche bauen wolle. Er widmet sie der Jungfrau Maria, dem Hl. Johannes, dem Evangelisten, dem Hl. Josef, dem Hl. Vater Franziskus, dem Hl. Antonius von Padua, der Hl. Maria Magdalene und den Hl. Jungfrauen Barbara und Irmgardis, deren Feste in der zukünftigen Kirche feierlich zu halten sind. Den Zweck der Stiftung beschreibt Virmond so: Es sollen Gottesdienste „zu unserer und der Einwohner und Umwohner Seelen Trost und Heil fleißig verrichtet werden“. Weiter bestimmt er, dass alle „Brüchten (Strafgelder) der Delinquenten (Bestraften) zu Neersen und Anrath“ für die Kirche zu verwenden seien. Das Patronatsrecht behielt er sich und seinen Nachkommen vor.

 

Zu Beginn des Kirchbaues um 1655 ist von der Erbauung eines Klosters noch keine Rede. Aber spätestens während der Entstehung der Kirche muss sie in Erwägung gezogen worden sein, um den Dienst an der Kirche zu sichern. Virmond bat die Minoriten (mindere Franziskaner-Brüder) der Kölnischen Provinz, Kirche und Kloster zu übernehmen. 1658 kam der Guardian Honorius als erster Oberer des zukünftigen Konvents nach Neersen, um von der Kirche und dem für den Bau eines Klosters vorgesehenen Platzes Besitz zu ergreifen. Obwohl Neersen nun ein eigenes Gotteshaus besaß, wurden die wichtigsten Rechte weiterhin von Anrath ausgeübt. So wurden die Kinder in Anrath getauft und die Toten dort begraben.

 

Bis 1798 betreuten die Minoriten Kirche und Kloster und entfalteten gottesdienstliche und seelsorgerische Tätigkeiten, die über den Bereich des Ortes weit hinausgingen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelten sie einen lebhaften Handel mit Vieh, Wein und Lebensmitteln. Der erste Markt, der Halbfasten- oder Schüppenmarkt, wurde vom Kloster bestritten. Kaum hundert Jahre nach der Erbauung der Kirche wurde eine Erweiterung von Kirche und Kloster erwogen, da sich mittlerweile der Ort Neersen vergrößert hatte und viele aus den umliegenden Orten die Gottesdienste hier besuchten. Zwischen 1749 und 1766 wurden die Kirche und das Kloster bis zur Hauptstraße vorgezogen.
 

Als Folge der französischen Revolution kam auch in Neersen das Wirken der Minoriten zum Erliegen. Durch die Säkularisation wurde das Kloster aufgelöst. Neersen konnte selbständige Pfarre werden. Am 18.9.1798 wurde Quirin Leopold Eggerath der letzte Guardian des Klosters, als erster Pfarrer dieser neuen Pfarre eingeführt. Bei der Pfarrgründung zählte die Gemeinde 1200 Katholiken. Die Franzosen führten zu dieser Zeit in den linksrheinischen Gebieten eine neue Verwaltungsordnung ein. Neersen wurde Kantonsitz, dem 17 Gemeinden angehörten, darunter auch Mönchengladbach und Süchteln. Die politischen und sozialen Ordnungen wurden erneuert, die Kirche in ihrem Wirken eingeengt. Öffentliche Kreuze und Madonnenbilder wurden beseitigt, Neuaufnahmen in die Klöster verboten, die öffentlichen Gottesdienste eingestellt und die kirchlichen Güter eingezogen.

 

Die Neersener, die lange um eine selbständige Kirchengemeinde gekämpft hatten, traf diese Neuordnung schwer. Sie versuchten deshalb, ihre Kirche zur Kantonkirche erheben zu lassen. Um dies durchzusetzen gaben sie der Kirche einen neuen Pfarrpatron. Für ein halbes Jahrhundert wurde die Kirche dem Hl. Napoleon geweiht. Dieses Patrozinium war einmalig in Deutschland, da es einen Hl. Napoleon nicht gegeben hat. Zum Leidwesen der  Neersener zahlte sich die Umbenennung nicht aus; Neersens Kirche wurde nicht Kantonskirche. Reumütig stellten sie zu dieser Zeit die Kirche wieder unter die Schirmherrschaft der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“. Dem Armutsideal der Minoriten entsprechend, war die erste Neersener Kirche ein einfacher Bau mit einer flachen Holzdecke. Alles, was dem Schmuck und der Pracht diente, fehlte. Auch ein Kirchturm, wie ihn alle Nachbargemeinden besaßen, widersprach dem Armutsideal. Mit dem Kloster bildete die Kirche ein langes Rechteck, in dem zwei kleine Höfe und der Kreuzgang eingeschlossen waren. Mit der Pfarrgründung 1798 wurde das Kloster aufgehoben. Von den 11 Mönchen blieben der Guardian und ein Kaplan in Neersen als Seelsorger zurück. Die anderen Mönche halfen in den Nachbargemeinden aus. Die Klostergebäude wurden später der Gemeinde Neersen übertragen und dienten als Verwaltungsgebäude.

 

1960 wurden die baufälligen Klostergebäude, sowie das Hauptschiff der zu klein gewordenen Pfarrkirche abgerissen. An ihrer Stelle wurde die neue Pfarrkirche errichtet, die Bischof Dr. Johannes Pohlschneider am 10.9.1962 einweihte. Der Chor der alten Kirche mit dem für die Minoritenkirche charakteristischen Dachreiter blieb erhalten und wurde mit der neuen Kirche verbunden. Gottesdienste mit kleineren Gruppen werden heute noch im Chor der alten Kirche (jetzt Werktagskapelle) gefeiert.

 

Unsere Pfarrgemeinde zählt heute ca. 3500 Mitglieder. Wie andere Gemeinden sind wir bunt gemischt. Hier leben alte Menschen und Kinder, Handwerker, Arbeiter und Akademiker, Menschen, die gerne ihre Freizeit in Gruppen und Vereinen verbringen und andere, die lieber zurückgezogen leben. Es wohnen unter uns engagierte Christen und solche, die sich mit Gott und der Kirche schwer tun.